Kaninchenrassen - Groß-Marder

Groß-Marder

 

Gross-Marder

Die Großen Marder sind eine verhältnismäßig junge Rasse in Deutschland, die aus dem kleinen bzw. normalerweise Marderkaninchen hervorgegangen ist. Wie Alfred Franke, Berlin, im Mai 1997 schrieb, entstand der Große Marder kurze Zeit nach der Herauszüchtung des kleinen Marders, um 1925 / 26 in Russland. Den Namen "Sowjetischer Marder" trägt die Rasse seit 1931. Sicherlich wurde die Rasse nicht planmäßig erzüchtet, sondern ist durch zufall beim Kreuzen der vorhandenen mittelgroßen Rasse entstanden. Auch in Tschechien, der Slowakei, Polen und in den USA gibt es die Großen Marderkaninchen. Als 1979 der Standard der sozialistischen Länder erarbeitet wurde, beantragte der Zuchtfreund Jaroslav Fingerland die Anerkennung der Großen Marder, da sie bereits in der Slowakei gezüchtet wurden. 1980 wurden die Großen Marder in den Standard der sozialistischen aufgenommen. Zu di4esem Zeitpunkt wurde die Rasse in der DDR noch nicht gezüchtet. Hier wurden erst nach der Veröffentlichung der Rassebeschreibung der Großen Marder von den Zuchtfreunden der Spezialzuchtfreunden der Spezialzuchtgemeinschaft (heute Club) der Marderzüchter auf Initiative des Obmanns Joachim Kapp Zuchtprogramme erarbeitet, um die Rasse nachzuzüchten. Leichter währe es gewesen, Tiere aus anderen Ländern einzuführe, doch diese Möglichkeit gab es nicht. Anträge, Tiere aus Russland, wo sie reinerbig (Dunkelmarder) gezüchtet werden, einzuführen waren gestellt. Man hatte auch der Spezialzuchtgemeinschaft (Club) zugesagt,1,1 Große Marder zu erhalten. Woher die Tiere kommen sollten, war nicht bekannt. Leider ist es nie zu dieser Einfuhr gekommen. Somit sind die Großen Marder eine Thüringer Züchtung.

Durch den damaligen Weißfleischaufkauf in der DDR sahen wir als Spezialzüchter eine Möglichkeit, Zuchtfreunde zu gewinnen, die sich mit dieser neuen Rasse beschäftigten. Der Zulauf war größer als erwartet, endete aber mit der Wende abrupt. Gefragt waren damals vor allem frohwüchsige Rassen in mittlere Größe. Die erste Paarung, die ich selbst ausprobierte, war ein Rammler der Rasse Weiße Neuseeländer , Gewicht 4,60 kg, mit einer normalen dunklen (homozygoten) Marderhäsin, Gewicht 3,60 kg. Die sieben geworfenen Jungtiere waren alle Typtiere. Ihre Entwicklung verlief ganz normal bis zur ersten Umhaarung. Danach stellte sich heraus, dass alle Jungtiere mehr oder weniger weiß durchsetzt waren. Doch der Anfang war getan, zumal auch ein endgewicht von 3,60 - 3,80 kg erreichten. Neben dieser Variante wurden auch noch andere Rassen wie Riesenkaninchen, Blaue Wiener, Kalifornier und Havanna einbezogen, die aber nicht den erwünschten Erfolg brachten.

Bei der Erzüchtung des Marderkaninchens, das in Verbindung Chinchilla entstand, sowie den späteren Einkreuzungen für die Großen Marder, fallen heute noch vereinzelt Tiere mit Wildfarbigkeitsmerkmale an. Von diesen Linien muss man sich ohne Kompromiss trennen, da sie sich dominant bei Verwandschaftszucht weiter verstärken. Auf Grund der hohen Fruchtbarkeit und Milchleistung der normalen Marder wurden hauptsächlich Übergroße Häsinnen eingesetzt, um diese guten Eigenschaften auf die Nachzucht, welche Große Marder werden sollen, zu übertragen. Viele Paarungen waren nötig, um Aufschluß über die besten Vererber zu erhalten. Es vielen ja nicht nur marderähnliche Tiere (Russenmarder, Marderalbino und Typtiere an. Auch wildfarbige sowie einfarbige blaue und schwarze Tiere lagen im nest und wurden aufgezogen und wieder, die Wildfarbigen ausgenommen, in die Zucht eingebracht. Hartmut Hoeft aus Römhild hat großen Anteil bei der Verwirklichung der angeführten Verpaarungen. Die Begeisterung für diese Rasse war im Club sehr groß. Es war so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Einige neue Mitglieder wurden im Club aufgenommen, die sich speziell für Große Marder iteressierten.

Ab der Vorstellung zur Bundestagung 1991 in Baunatal fanden sich auch Interessenten aus den alten Bundesländern für diese neue mittelgroße Rasse Große Marder, die aber nur im braunen Farbenschlag zugelassen wurde und in den Deutschen Einheitsstandard Aufnahme fand, obwohl es bei allen anderen Rassen mit Marderfarbe und Zeichnung braune und blaue Farbenschläge gibt.

Anerkennung der Blauen als Sicherung einer breiten Zuchtbasis

Aufgrund der wenigen Züchter war die Zuchtbasis sehr begrenzt, sodass durch die enge Verwandschaft kaum Verbesserungen eintraten. Um weiter voranzukommen, war es notwendig, die blauen Tiere, die in den braunen Würfen anfielen und somit reinerbig waren, in den Zuchtstamm wieder einzupaaren, was zwar die Spalterbigkeit in der Farbe erhöht hat, aber auch eine breitere Zuchtbasis ermöglichte. Die Anerkennung des blauen Farbenschlages der Großmarder ab Oktober 2012 dient somit der Sicherung einer breiteren Zuchtbasis für den Rassetyp und Rassewert. Vor einigen Jahren nahm die Rasse einen beachtlichen Aufschwung. In verschiedenen Marder-Clubs nahm man sich dieser iteressanten und schönen Rasse an. Es wurden auch viele Zuchttiere in verschiedene Landesverbände abgegeben, sodass man annehmen konnte, das bald auf Ausstellungen mehr Große Marder zu sehen sein würde. Doch leider ist es zuletzt etwas ruhiger um diese Rasse geworden.

Waren laut TGRDEU-Erfassung 2009 sieben Zuchten in Blau in sechs Landesverbänden registriert, so steigerte sich dies bis Oktober 2011 auf 18 Zuchten in neun Landesverbänden. Das lässt für die Zukunft hoffen. In braun gab es bis 2010 15 Zuchten in neun Landesverbänden mit 25 Rammlern und 40 Häsinnen bei 247 Jungtieren, was 16,46 Jungtiere je Zuchtbedeutet. Da es nur wenige Züchter gibt, die sich lediglich einem Farbenschlag aufgrund der Spalterbigkeit in der Farbe verschrieben haben, gehe ich davon aus, dass die Zuchtenanzahl zwischen Braun Blau identisch ist. Die Tatsache, dass die Großmarderzucht etwas rückläufig war, hat mehrere Ursachen. Zum einen war die Rasse nur im braunen Farbenschlag anerkannt. Nach acht Jahren in der Anerkennungsphase ist der blaue Farbenschlag ab Oktober 2012 anerkannt, sodass sicherlich noch weitere Züchter dazukommen werden. Ein weiterer Punkt könnte sein, dass die Großmarderzüchter sich verstärkt auf den blauen Farbenschlag konzentrierten, um durch dessen Anerkennung mehr Ausstellungsmöglichkeiten zu haben.

Sicherlich hat auch die geringe Ausbeute an Ausstellungstiere nach den ersten Würfen mehrere Züchter davon abgehalten, diese Rasse weiter zu züchten. Letztlich spielten bestimmt auch die hohen Kosten, die auf Züchter bei der Teilnahme an einer Bundes- Kaninchenschau zu kommen, eine gewichtige Rolle. es wird einige Leser geben, die dem zweiten Farbenschlag sehr selten ist und noch viele Kritikpunkte in den einzelnen Positionen hat. Berücksichtigt man aber die Entstehung dieser Rasse aus den normalen Marderkaninchen, wo bereits Spalterbigkeit in der Farbe vorlag, so war es schließlich nur eine Frage der Zeit, bis auch bei den Großen Mardern Tiere im blauen Farbenschlag anfielen. Da in der Genetik bekanntlich nichts verloren geht, findet man heute in nahezu allen Großmarderwürfe braune und blaue Tiere.

Fehlfarben als wertvolle Zuchttiere nutzen.

Um auf Ausstellungen wieder mehr große Marder zu sehen, aber auch um weitere Zuchtfreunde für diese Rasse zu gewinnen, sollten wir die genetische Möglichkeiten, die uns die Natur zur Verfügung stellt, nutzen und "Fehlfarben" zur Zucht einsetzen. Mit Fehlfarben sind hier die Dunkelmarder und Marderrussen gemeint. Ehe man "Fehlfarben" für die Zucht auswählen kann, muss zunächst eine Verpaarung durchgeführt werden. Aus dieser Verpaarung können alle Farbvarianten fallen, also Dunkelmarder, Typmarder und Marderrussen in Braun und Blau. Man sollte auch besenken, dass es nicht einfach ist, zum entsprechenden Zeitpunkt, also zur Schau, eine entsprechende Anzahl von Typentiere zur Verfügung zu haben. An einem tatsächlichen Beispiel, das schon mehrfach eingetreten ist, möchte ich dies belegen. Ein Züchter geht mit drei typischen Rammler in die Zucht. Da Große Marder sehr fruchtbar sind und gewöhnlich sieben bis zwölf Jungtiere je Wurf fallen, kann man davon ausgehen, dass bei rund 24 - 30 jungtiere für die Schausaison zur Verfügung stehen.

Die Großen Marder, aber auch alle anderen Marderrassen, unterliegen den Vererbungsgesetzen des intermedieren Erbgangs nach Gregor Mendel. Das bedeutet, dass die Würfe der Typmarder untereinander in je 25% Donkelmarder, 50% Typmarder und 25% Marderrussen aufspalten. Legen wir eine durchschnittliche Wurfzahl von acht Jungtieren je Wurf zugrunde, fallen in den drel Würfen 24 jungtiere an. Davon sind dann theoretisch 25% Dunkelmarder = sechs Tiere, 50%Typtiere =zwölf Tiere und 25% Marderrassen= sechs Tiere. Wobei alle 24 jungtiere beiden Farbenschlägen angehören können. Neben der bereits angeführten Verpaarung von Typenmarder x Typmarder sind auch Typmarder xMarderrusse möglich. das Aufspaltungsverhältnis liegt hier theoretisch bei jeweils 50 zu 50% der Ausgangstiere. In der Praxis sieht es meist ganz anders aus: Die sogenannten Fehlfarben (Dunkel-und Marderrussen) fallen in einer größeren Anzahl an, die Anzahl an Typtieren ist geringer. Auch ist dann noch oft so, dass die restlichen Typmarder, ebenso die Marderrussen und Dunkelmarder, beiden Farbenschlägen angehören. Obwohl man 24 Jungtiere hat, bleiben für die Ausstellung je Farbenschlag zwischen vier und acht Typtiere. Geht man davon aus, dass nicht jedes Typtier auch ein Ausstellungstier ist, wird deutlich, wie schwer es ist, eine oder mehrere Ausstellungen zu beschicken.

Bedenkt man noch, dass Marderkaninchen nur begrenzt ausstellungsfähig sind, das heißt nur kurze Zeit in ihrer Blüte stehen, muss man sich schon beim Decken der Häsinnen überlegen, an welcher Ausstellung man sich beteiligen möchte. Mit acht bis neun Monaten sind Große Marder ausgewachsen und auch durchgefärbt, sodass die Tiere in Bezug auf die Positionen Deckfarbe und Abzeichen zu diesem Zeitpunkt erfolgreich ausgestellt werden können. Große Marder, ob braunoder blau, kann man nicht von Ausstellung zu ausstellung schicken, da sie durch Veränderung der gewohnten Umgebung, Transport und Fütterung zur Schau, aber vor allem durch unsachgemäßer Behandlung zur Schau, nach 14 bis 20 Tagen an den Griffstellen fleckig werden. Damit ist meistens nach einer Ausstellung die Schausaison beendet, oder man nimmt erhebliche Punktabzüge in der Position Deckfarbe wegen Unfertigkeit bzw.Fleckigkeit in Kauf. Leider werden marderkaninchen wegen des gleichen leichten Fehlers nochmals in der Position Abzeichen gestraft. Unfertigkeit und Fleckigkeit werden nur in der Deckfarbe bemängelt. Dabei sollte man beachten, dass Fleckigkeit und Unfertigkeit veränderliche leichte Fehler sind und somit anders zu strafen sind als ein genetisch bedingter leichter Fehler wie etwa weiße Durchsetzung oder melierte Deckfarbe. Diese große Potenzial Dunkelmarder und Marderrussen sollte viel mehr genutzt werden, da sich eine breite Selektionsbasis anbietet. Gerade diese Fehlfarben sind das Fundament der Großen Marder.

Zur Beachtung: Die Marderrussen der Großen Marder sind auch als Große Marderrussen zu tätowieren und nicht - wie schon vorgekommen - als Kalifornier.

Wirtschaftlichkeit der Zuchttiere beachten

Wie bereits angeführt, sind Große Marder sehr fruchtbar, was die Selektionsmöglichkeiten wesentlich verbessert und die Zucht auf breitere Füße stellt. Grundvoraussetzung ist dabei, dass der gesamte Wurf aufgezogen wird, sofern er nicht übergroß ist. Erst der gesamte Wurf bringt Farbunterschiede, aber auch Mängel bzw. Vorzüge der genetischen Anlagen in den einzelnen Positionen ans Licht. Wird der Wurf durch den Züchter selektiert, können gerade die wertvollsten Tiere ( Fehlfarben) verloren gehen. Man wird erstaunt sein, welche hervorragenden Anlagen die Fehlfarben in Bau, Fellhaar,Typ aber auch an Leistung aufweisen. Es bringt die Großmarderzucht nicht eiter voran, wenn wir nur auf Schönheit selektieren. Leistung und Schönheit muss die Devise sein. Um die hohe Fruchtbarkeit zu erhalten, ist es ratsam, nur Tiere für die Zucht einzusetzen, die aus großen Würfen kommen, da man wieder große Würfe erwarten kann und in einem großen Wurf auch mehr Typentiere anfallen können. Ein eben so wichtiger Aspekt ist die Zitzenzahl bei den für die Zucht vorgesehenen Tiere, was Häsinnen und Rammler gleichermaßen betrifft. Wir sollten nur Tiere mit einer Zitzenzahl zwischen acht und zwölf zur Zucht einsetzen, damit auch Ein achter- bis Zehner-Wurf erfolgreich aufgezogen werden kann. Um die Rasse wieder im Gespräch zu bringen und mehr Präsenz auf Ausstellungen zu zeigen, solltendie Züchter verstärkt Marderrussen und Dunkelmarder zur Zucht verwenden und nach folgenden Gesichtspunkten auswählen: Grundvoraussetzung für beide Farbenschläge sind das Überschreiten des Normalgewichtes von über 4,0kg und einer Ohrlänge von mindestens 11-11,5 cm. dabei sollten die Ohren gut struktoriert und "offen" V-förmig getragen werden. Tiere mit mehr als 12 cm Ohrlänge verlieren an Typ. Tiere unter 11cm erreichen nur schwer das normalgewicht und wenn, dann haben die Tiere die Blütezeit aufgrund des Alters bereits überschritten. Des weiteren wird durch erhöhte Futtergabe versucht, die Tiere aufs Gewicht zu bringen, was sich ebenfalls negativ auf die Deckfarbe durch Fleckigkeit auswirken kann. Werden Jungtiere im Alter von vier bis acht wochen an Rücken und Flanken bereits fleckig, können verschiedene UrsACHEN; Wie z.B. kokzidose, Fütterungsfehler leichter Durchfall, Muttermilchmangel oder eine Erkrankung des Muttertieres vorliegen. solche Tiere sollten keine Zuchtverwendung finden. Vermerke im Zuchtbuch über die Ursache erleichtern später die Zuchtauswahl.

Für die Auswahl der Marderrussen gilt:

Da die sogenannten Fehlfarben nicht bewertet werden, mit Ausnahme bei Jungtierschauen, wo auch die fehlfarbenen Häsinnen mit vier typischen Jungtieren im gleichen Farbenschlag gezeigt werden können, muß der Züchter sehr strenge Selektion in Bau, Fellhaar, Deckfarbe einschließlich Augen- und Krallenfarbe sowie in der Unterfarbe und Zeichnung (Marderrussen) betreiben. Tiere mit loser fellhaut an den Schenkeln sind ungeeignet, ebenso Tiere, die mit acht Monaten schon reichlich Wammenbildung, aber auch eckige Hinterpartie und knochige Rückenlinie aufweisen. Das Fellhaar spielt für den Rassewert eine nicht zu unterschätzende Rolle. Tiere mit reichlich lang überstehender Granne sind ebenso abzulehnen wie solche mit sehr wenig Unterwolle, da sich dies negativ auf Deckfarbe und Abzeichen auswirkt. An die Marderrussen der Großen Marder können wir bezüglich der Zeichnung nicht die Anforderungen stellen, wie wir sie vom (normalen) Marderkaninchen kennen. Dies hängt einerseits mit der Längeren Haarstruktur, aber vor allem mit dem höheren Gewicht zusammen. Wir kennen das Problem der Zeichnung und Zeichnungssätze von den Kaliforniern.

Für die Auswahl der Marderrussen gilt:

  • Die Zeichnung am Kopf umfasst Maske und Ohren.
  • Die Maske kann bis in Augenhöhe reichen, was aber eher selten ist. eine etwas zackige Maske kann man tolerieren.
  • Die farbigen Ohren sollen an der Ohrwurzel möglichst scharf abgegrenzt sein. Am Rumpf umfasst die Zeichnung die Vorder- und Hinterläufe sowie die Blume.
  • Die Vorderläufe sollten möglichst bis übers Ellenbogengelenk gezeichnet sein.
  • Die Zeichnung an den Hinterläufen wird in den seltesten Fällen das Sprunkgelenk erreichen, jedoch sollten auch diese so weit wie möglich gezeichnet und farbig sein.
  • Ebenso sollten die Marderrussen eine durchgefärbte Blume aufweisen.
  • Alle Zeichnungsmerkmale, vor allem aber die Ohrränder, müssen frei von jeglicher weißer Durchsetzung sein. Dies trifft gleichermaßen für Marderrussen in Braun und Blau zu.

Wie bei allen Rassen, die den Russenfaktor "a" tragen, sprechen wir bei der Zeichnungsfarbe von Extremitäten- oder Spitzenzeichnung, auch Kältefärbung genannt. Man sollte jedoch beachten, dass die Kältefärbung auch Witterungseinflüssen unterliebt, sodass die Zeichnung und Zeichnungsfarbe den Jahreszeiten unterliegen und somit unterschiedlich sein kann. Dabei spielt auch die Größe der tiere eine wichtige Rolle. Bei großen Tieren um die 5kg wird die Zeichnungsfarbe schwächer sein, da sich ein größerer Körper weniger abkühlt. Bei kleineren Tieren wird sie intensiver, da sich die Extremitäten nicht so gut erwärmen können. Eine nicht unerhebliche Rolle spielt dabei die Fellhaarlänge. Je länger das Haar, umso verschwommener wird die Zeichnung und Zeichnungsfarbe meliert sein. Einen guten Hinweis über Farbstoffeinlagerung des Tieres gibt uns die Krallenfarbe. Anzustreben sind beim Marderrussen, braun und blau, dunkelhornfarbige Krallen. Zur Zeit fallen noch öfters Tiere mit hornfarbigen Krallen an, solche Tiere eignen sich für die Zucht nur bedingt, da sie keine Verbesserung in Deckfarbe (diese wird meliert), Abzeichen (werden schwach) und Unterfarbe (wird immer heller) bringen. Da die Großen Marder aus Marderkaninchen und Weißen Neuseeländer erzüchtet wurden, sind fast alle Großen Marder spalterbig in der Farbe. Wie bereits angeführt, sind viele Marderkaninchen ebenfalls spalterbig, und durch die Weißen Neuseeländer (reiner Albino) kamen weitere Farbvarianten dazu, z.B. chinchillafarbig, sodass der Russenfaktor teilweise verloren ging. Dies zeigte sich in der Nachzucht durch reine Albinos. Der Marderfaktor blieb erhalten. Reine Albinos eignen sich nicht für die Weiterzucht. Man könnte es sich nun einfach machen und den Russenfaktor durch das Einkreuzen von Kaliforniern, die die gleiche Erbformel aufweisen wie die Marderrussen, auf die Großen Marder übertragen. Doch von solchen Möglichkeiten möchte ich abraten, sie bringen nicht den gewünschten Erfolg. Obwohl Marderkaninchen braun bzw. blau aussehen, sind sie genetisch Schwarzmarder. Aber das Schwarz der Kalifornier ist ein anderes als das Schwarz der Marderkaninchen, wogegen die Typmarder Bastarde sindund eine braune bzw. blaue Deckfarbe aufweisen.

Die Nachzuchten aus Kalifornien, schwarz-weiß, und Dunkelmardern uterscheiden sich aber im Erscheinungsbild erheblich und bringen zu 100 % reichlich dunkle Typtiere, deren Deckfarbe und Abzeichen im Alter von ca. acht Monaten gänzlich verschwommen wirken. Der Kopf ist fast einfarbig schwarzbraun und ohne die typischen Mardermerkmale gefärbt. Um wieder Große Marder in die Zuchtstämme zu erhalten, in denen nur Albinos anfielen, haben die Marderzüchter die möglichkeit, Große Typmarder mit großen Dunkelmardern zu verpaaren. Aus dieser Verpaarung fallen zwar keine Marderrussen, aber Typtiere und Dunkelmarder, da die Typmarder den Marderfaktor tragen wie den Russenfaktor. Werden diese Typtiere untereinander verpaart, werden wieder Marderrussen, Dunkelmarder und Typmarder fallen. Dies trifft übrigens auf alle Marderrassen zu. Es ist auch ratsam,um eine entsprechende Auswahl treffen zu können, dass der ganze Wurf aufgezogen wird. Auch die Einpaarung von Kaliforniern, havannafarbig-weiß, bringt keinen Erfolg, da in der Nachzucht (Linienzucht) immer wieder havannafarbige Tiere als Marderrussen, Dunkelmarder und Typtiere anfallen. Genetisch identisch sind dagegen die Kalifornier, blau-weiß, und Marderrussen, blau. Ob die Kalifornier, blau-weiß, den Großmarderzüchtern bei der Verbesserung jeglicher Art helfen können, bezweifle ich sehr. Die Anzahl der Züchter dieses Farbenschlages ist sehr gering, und sie haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie die Züchter der Großen Marder.

Für die Auswahl der Dunkelmarder sollte man Folgendes beachten:

  • Eine tief schwarzbraune Deckfarbe ohne andersfarbige (melierte) Grannenhaare und ohne jeglicher Durchsetzung, vorallem die Ohrränder.
  • Eine dunkelbraune Augenfarbe beim braunen und eine dunkelblaue Augenfarbe beim blauen Farbenschlag.
  • Die Krallenfarbe sollte bei Braun Schwarzbraun und bei Blau Dunkelhornfarbig sein - je dunkler, desto besser.
  • Die Unterfarbe muss bei beiden Farbenschlägen bis zum Haarboden reichen und rein blau ohne jeglichen Absatz (neigt zu Zwischenfarbe)sein.

Gerade die Augen- und Krallenfarbe geben uns Auskunft über die Farbstoffeinlagerung. Je dunkler die Deck- und Augenfarbe ist, umso reiner wird die Decke- und Abzeichenfarbe der Nachzucht sein. Wer sich aus einer größeren Anzahl von Fehlfarben Tiere aussuchen möchte, kann Marderrussen x Marderrussen und Dunkelmarder x Dunkelmarder untereinander verpaaren. In diesen Würfen finden sich dann nur Dunkelmarder bzw. Marderrussen. Die Verbreitung der Großen Marder ist noch geringer als die der marderkaninchen. Das hat zu folge, dass die Auswahl an Zuchttieren geringer ist. Dies trifft für Typtiere ebenso zu wie für Fehlfarben. Doch wie ersichtlich, wenn man sich Folgendes vor Augen führt: Betreibt ein Züchter eine Zucht mit Marderrussen und Dunkelmardern, wobei es keine Rolle spielt, ob der 1,0 bzw. die 0,1 ein Marderrusse oder ein Dunkelmarder ist, sind alle Jungtiere Typtiere.Es spielt daher keine Rolle, wie groß der Wurf ist. Durch die hohe fruchtbarkeit der Großen Marder ist keine Seltenheit, Würfe mit acht bis zwölf Jungtieren zu erhalten. Kommen wir auf den Anfang des Beitrages zurück, wo wir aus drei Würfen 24 Jungtiere, aber theoretisch nur zwölf Typtiere hatten, so sind jetztalle 24 Jungtiere Typtiere, woraus sich besser Ausstellungsmöglichkeiten ergeben. Diese größere Anzahl an Typtiere bieten uns bessere Selektionsmöglichkeiten in allen Positionen. Der Züchter kann seine Auswahl für Bewertungen und Schauen strenger betreiben, was sich dann durch bessere Ergebnisse, höhere Tierzahlen, aber vor allem in der weiteren Zucht positiv auswirkt. Außerdem benötigt man nicht so viel Zuchthäsinnen. Bei zwei Würfen je Häsin wäre der erste im Februar und März für Schauen im Oktober bzw. November, der zweite im April bzw. Mai für Schauen im Dezember und Januar nötig. Legt man nun zwei Häsinnen mit je zwei Würfen bei einer Wurfzahl von nur sieben Jungtieren zugrunde, ergibt sich eine Jungtiertahl von 28 Typtieren. Laut TGRDEU- Erfassung von 2010 wurden im braunen Farbenschlag je Zucht 16,46 Jungtiere aufgezogen. Legen wir dann das theoretische Aufspaltungsverhältnis zugrunde, hätte jeder Zucht rund acht Typtiere die noch beiden Farbenschlägen angehören können. Aus diesem Beispiel wird deutlich, welches Potenzial in der Zucht mit Fehlfarben steckt. Wenn wir es nutzen, werden auch Große Marder auf Ausstellungen wieder zu sehen sein.

 

Fazit

Wer sich mit Großen Marderkaninchen, Marderkaninchen und Siamesen beschäftigen möchte, sollte sich über einige Dinge im Klaren sein.

  • Alle Marderrassen unterliegen dem intermediären Erbgang nach Gregor Mendel.
  • Alle Marderrassen sind Teilalbinos.
  • Zur Ausstellung sind alle Marderrassen nur in der heterozygoten (spalterbigen) Form zugelassen. Ausnahme: Bei Jungtierschauen "Häsinnen mit Jungtieren" können homozygote Häsinnen ausgestellt werden, wenn die Mindestzahl standardgemäßer Jungtiere von vier erreicht ist. Dunkel- und Marderrussen bleiben dabei unberücksichtigt.
  • Große Marder sind auch in der Farbe spalterbig.
  • Sie sind sehr fruchtbar, Würfe mit zehn und mehr sind keine Seltenheit.
  • Sie besitzen hervorragende Anlagen in Nestbau, Milchleistung und Aufzuchtvermögen.
  • Sie sind jedoch begrenzt ausstellungsfähig.
  • Mit jeder Haarung dunkeln vor allem die Typtiere nach, bis sie von den homozytgoten Dunkelmardern fast nicht mehr zu unterscheiden sind.
  • Zuchttiere, egal ob Typ-,Dunkel-, oder Marderrusse, die lange Zeit ihre Farbe halten, sind farbstabil und sollten so lange wie möglich in der Zucht bleiben, da sie die Fleckigkeit vermindern.
  • Die "Fehlfarben" Dunkel- und Marderrussen sind wertvolle Zuchttiere.
  • Aufgrund der geringen Verbreitung und des engen Verwandschaftsgrads sind "Blutaufrischungen sehr begrenzt.

Wer aber Herausvorderungen in seiner züchterischen Betätigung sucht, sich den genetischen Anforderungen stellen möchte, dem bieten die Großen Mardern die besten Möglichkeiten. Ich würde mich freuen, wenn sich weitere Züchter dieser attraktiven Aufgaben stellen würden.

Joachim Kapp

 

Gewicht: 2,00 bis 2,50kg
Normalgewicht: 2,50kg und mehr
Höchstgewicht: 3,25kg

 

Kaninchenrassen-G Züchter-E