Anbau von Futterpflanzen

Übersicht:

 

Eigenanbau von Futterpflanzen

Die Versorgung unsere Kaninchen mit geeigneten Futtermitteln hat neben der tiergerechten Unterbringung in guten Ställen eine erstrangige Bedeutung. Angesichts der nicht unerheblichen Kosten für handelsübliches Kraftfutter und zahlreicher, teilweise ungenutzter Anbauflächen sollte dem Anbau von Futterpflanzen mehr Interesse entgegengebracht werden. Wir sind dann in der Lage, gut verdauliche Grobfuttermittel selbst zu erzeugen. So können wir eine natürliche, den Anlagen unserer Kaninchen entsprechende Tiernährung schon denJungtieren beim Beginn der Aufnahme festen Futters ermöglichen.

Der erforderliche Arbeitsaufwand beim Anbau wertvoller Futterpflanzen kann vor allem von den Zuchtfreunden geleistet werden, die berufs- oder altersmäßig dafür ausreichende Voraussetzungen haben. Große Vorteile beim Eigenanbau von Grün- oder Saftfutter auf eigenem Boden sind Kenntnisse und Handfertigkeiten, mit denen wir selbst auf das Wachstum und die Qualität der Pflanzen maßgeblich einwirken können. Das zeitige Frühjahr erfordert, je nach örtlicher Lage und Klima, den Futteranbau rechtzeitig vorzubereiten oder auch schon zu beginnen. Eine häufig gestellte Fragen von Zuchtfreunden soll nachfolgend zur Sprache kommen

Welche Futterpflanzen sollten wir anbauen?

Die häufigsten Futterpflanzen sind unsere Gräser in vielfältigen Arten, einschließlich solcher im Gemisch mit Klee oder Luzerne. Erstere müssen in der Regel nicht angebaut werden, es gibt im Umland ausreichend vorhandene Futterwiesen. Überall warten zahlreiche ungenutzte Rase- und Wiesenflächen bei Nachbarn oder in nächster Nähe auf eine sinnvolle Nutzung als Grünfutter, Silage oder vor allem als Heu für die lange Winterzeit. Klee und Luzerne sind sehr wertvolle Futterpflanzen mit hohem Gehalt an Inhaltsstoffen. Einmal angesäte Flächen lassen sich mehrjährig nutzen. Hackfrüchte, wie Futterrüben, Kohlrüben und Rote Rüben, werden oft in Gärten und auf Feldflächen kultiviert. Die Futtermöhren mit ihren gern gefressenen Blättern sind für das ganze Jahr ein " Renner" unter den Futterpflanzen.

Als Gemüse angebaute Kohlart, wie Rot-,Weiß- und Wirsingkohl, können auch verfüttert werden.Insbesondere Grünkohl ist sowohl in einigen Gegenden ein begehrter Speisekohl wie auch überall ein geschätzter Speisekohl. Verschiedene Sorten von Kohlrabi sowie Markstammkohl bereichern von jeher die Paletten der wertvollen Futterpflanzen. Weiterhin können Rettiche als Blatt und Salatpfutter angebaut werden. Die Kartoffeln in ihren frühen Sorten finden wir relativ häufig in hiesigen Kleingärten. Späte Sorten eignen sich für eine Bevorratung als Winterfutter. Über verschiedenen Sorten dieser Futter- und Gemüsepflanzen kann man sich aus Katalogen oder direkt von Saatgut- oder Pflanzenkauf informieren.

Mir sind Zuchfreunden bekannt, die im Garten regelmäßig Futtermais und Tobinambur anbauen. Der Mais wird vor der vollen Reifung des Korns als Zuckermais geerntet und grün verfuttert oder siliert. Von Tobinambur sind Blüten und Blätter, Stängel und im Winterhalbjahr die Knollen als wertvollstes Kaninchenfutter verwertbar. Von den gängigen Getreidearten werden von unseren Kaninchen die grünen Haferstängel mit Ähren sehr gern gefressen. Weniger für die Fütterung, sondern als Gemüse werden im Garten Erbsen angebaut. das verbleibene Erbsenkraut nehmen Tiere ebenso wie das Kraut der Wicken mit vorhandenen restlichen Schoten gut als Grünfutter an.

Wie soll der Boden für Futterpflanzen beschaffen sein?

Lockere, tiefgründige Böden ohne Staunässe bieten gute Vorraussetzungen für den Anbau der oben genannten Pflanze. Der Nährstoffgehalt des Bodens ist der jeweiligen Pflanzenart anzupassen. Hinweise dazu gibt die Übersicht ( Tabelle 1).

Mit Komposterde werden dem Boden am schnellsten die erforderliche Lockerheit und ein ausreichender Nährstoffgehalt gegeben. Das Kompostieren über erforderliche Zeiträume verlangt jedoch einige Arbeit und Mühe, insbesondere beim Umsetzten der Koposthaufen mit dem Aussieben der festigen Komposterde. Dafür muss Komposterde nicht tief in die Erde untergegraben werden, sondern wirkt als Deckschicht zwischen den Pflanzen. Durch regelmäßiges Hacken wird sie oberflächlich in die Erde eingearbeitet und zur Wirkung gebracht. Das eingraben des abgelagerten Stallmistes von Kaninchen ist weiter verbreitet und erfüllt bei fachgerechter Anwendung ebenfalls den Zweck einer Nährstoffgerechten Naturdüngung. Kunstdünger der Verschiedensten Produkte sollten wir zurückhaltend anwenden. Genaue Bedarfsmengen lassen sich nur aus Bodenproben ableiten, die man von einem Labor anfertigen lassen kann. Anhand der vorkommenden Wildkräutern am naturstandort können wir aber auch einfacher und lediglich nach aufmerksamer Betrachtung von vorhandenem Unkraut im eigenen Garten Rückschlüsse auf die Bodenkapazität ziehen. Ein paar Beispiele, welche Informationen uns die sogenannten Leit- oder Zeigerpflanzen bieten können, sind der Übersicht (Tabelle 2) zu entnehmen.

Futterpflanzen aussähen oder beim Gärtner kaufen?

Beides ist gut möglich. Beim aussähen beachten wir die Vorgaben auf der jeweiligen Samen verpackung. Ein Frühbeet macht sich für die Aussaat bezahlt,weil auch noch mitten im Frühjahr klare Nächte und raues Niederschlagswetter möglich sind. Pikierte Jungpflanzen, die im Gartenfachhandel ausgewählt werden können, haben sich im Garten des Autors schon seit vielen Jahren bestens bewährt und etwa bei Kohlrabi und Grünkohl gute Ernten gebracht. Futterrüben und Rettiche sowie Möhren werden seit jeher auf ihren Flächen gesät und danach wie üblich vereinzelt. Die Saat- und Pflanzabstände sollten ehre großzügig gehalten werden, damit aussreichend Platz für das Jäten einerseits und für das Ausbreiten der Pflanzen und ihrer Wurzeln anderseits gegeben ist.

Ist die Wasserversorgung unserer Futterpflanzen wichtig?

Ein optimales Gedeihen der Pflanzen ist nur bei ausreichender, dem Standortklima und der Bodenstruktur entsprechender Bewässerung der genutzten Flächen gegeben. Deshalb sollten das Speichern und Verwenden von Regenwasser im Garten überall eine der Grundvoraussetzungen für den erfolgreichen und dazu kostengünstigen Anbau von Futterpflanzen sein. Wichtig: Morgens oder abends nicht die Blätter gießen, sondern Bodenreiche und Wurzeln mit Wasser versorgen!

Wie sollte man Pflanzenschädlinge und Krankheiten bekämpfen?

Eine Reihe von Krankheiten und Schädlinge der Pflanzen bewirken alljährlich, dass der Erfolg unserer Bemühungen beim Futteranbau gemindert wird. Die Krankheit KOlhernie und der Befall von Raupen des Kohlweißlings, aber auch die Weißen Fliegen stehen dabei "an vorderster Front" der gefürchteten Schadensverursacher. Die Kohlhernie erkennt man an den Wurzeln welkender Pflanzen als Schwellungen und Missbildungen. Diese werden durch die winzigen Sporen eines Pilzes verursacht, die bis zu sieben Jahre lebensfähig im Boden ruhen können. In sauren Böden finden wir diese Krankheit am häufigsten. Intensive Kalkung bis zu einem pH-Wert von 7 kann helfen, die Kohlhernie einzudämmen. Der Anbau von Kohl und Kohlrabi kann auf befallenen Flächen während der genannten Zeit nicht durchgeführt werden. Die Raupen des Kohlweißlings können ganze Kohl- bzw. Kohlrabipflanzungen vernichtet, sofern sie nicht bekämpft werden. Bei nicht zu großen Flächen sollten die Raupen einfach von den Blättern abgelesen und beseitigt werden. Andere Hilfsmittel sind das Spritzen mit Seifenwasser und das Bestäuben der befallenen Pflanzen mit einer Mischung aus Ruß und Kalk. Natürlich wirken zwischen dem Kohl wachsender Dill und Basilikum, deren Gerüche dem Kuhlweißling nicht behagen. Dreimaliges Spritzen pro Woche mit einer Brühe, in der mehrere Stunden lang die Geitztriebe von Tomaten eingelegt wurden, vertreibt Kohlweißlinge ebenfalls. Weiße Fliegen an Kohlgewächsen gehören zu den unangenehmsten Schädlingen. Es handelt sich hier um die Kohlmottenschildlaus und um eine weitere weiße Fliege, die kaum voneinander zu unterscheiden sind. Sie halten sich vorwiegend auf den Blattunterseiten auf, saugen dort Pflanzensäfte und verschmutzen untere wie obere Blattflächen. Bei ihrer Bekämpfung haben sich chemische Spritzmittel im Freien nicht bewährt. Farnblätter, auf dem Boden zwischen Kohlpflanzen ausgelegt, wirken gegen Insekten und Schnecken als Abwehrmittel. Profigärtner wenden Käufliche Raubmilben an, die gegen verschiedene Schädlinge, darunter auch Weiße Fliegen, erfolgreich eingesetzt werden. einige Hobbygärtner greifen zunehmend diese kostenaufwendige Bekämpfungsart auf.

Was ist während und nach der Futterernte zu beachten?

Das eingangs erwähnte Futtergras in seiner vielfältigen Zusammensetzung wird möglichst täglich gemäht, sofort verfüttert oder kühl unter Dach gelagert, soweit Vorräte für kurze Zeit notwendig sind. Ich verwende als Unterlagen aus Holzpaletten und lege das Grün, besonders wenn es regennass ist, darauf bis zur nächsten Fütterung aus. Blätter unserer Futterpflanzen aus dem Anbau werden je nach Bedarf an den Pflanzen von unten nach oben "abgeblättert" oder im Ganzen als Pflanze der Fütterung zugeführt. Saftige Pflanzenstängel zerkleinere ich etwas, zwecks bessere Verteilung an die Tiere. Verschiedenes Grünes kann auch gehächselt und, wie in meiner Zucht üblich, als Futtergemisch verabreicht werden. Erhalte ich von Gartenfreunden in Menge, etwas Erbsen- oder Wickenkraut, stecke ich einen Teil davon gebündelt in einen Wassereimer zur frischen Bevorratung und weuteren Entnahme. Die frischen des Erntegutes ist überhaupt das Wichtigste, wenn wir Futterpflanzen bergen oder ernten. Unsere Kaninchen nehmen solches Futter gern an und erhalten damit auch im Verdauungstrakt ihre Gesundheit. Etwas einfacher ist die Ernte der hackfrüchte. Rüben, Rettich und Kohlrabi können auch im Sommerhalbjahr täglich für die Fütterung geerntet werden. Eine kurzzeitige Bevorratung ist jedoch einfacher als bei Gras und Blättern.

Gedanken zum Schluss

Manche Zuchtfreunde können ganz bestimmt das hier gesagte noch ergänzen und durch weitere Erfahrungen mit Futterpflanzen bereichern. Vielleicht ist das ein gutes Gesprächsthema zur nächsten Monatsversammlung oder bei einem Treff am Stall. Wenn es dann rund um den Eigenanbau von Futterpflanzen geht, ist ein Zitat des Unvergessenen Züchters und Fachautors Dr.med.vet.Friedrich Karl Dorn am richtigen Platz:

"Das Grünfutter wirkt diätisch (gesundheitsfördernd),wenn es mit gewürzhaften Unkräutern vermischt ist, die teils aromatisch, teils bitterstoffhaltig und heilsam sind und den Appetit und die Verdauung merklich anregend. Die Jungtieraufzucht ist umso erfolgreicher, je mehr man wertvolles Grünfutter geben kann".

 

 

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