Fütterungstipps

Übersicht:



Allgemein-und-Futteraufnahmeverhalten

Die Fütterung hat maßgeblichen Einfluß auf die Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Kaninchen.
Die Ernährung von Kaninchen in den verschiedenen Leistungsstadien richtet sich nach der gewünschten Wachstumsintensität und der Nutzungsrichtung.
Mastkaninchen sollen in kürzester Zeit, ohne Verdauungsprobleme, ein hohes Gewicht mit möglichst wenig Futter erreichen.
Hobby- Zuchtkaninchen sollen langsamer wachsen, um eine gute Zuchtkondition zu erreichen.
Die Fellausbildung hat zentrale Bedeutung.
Eine Verfettung ist nicht wünschenswert.
Besonders kleine und mittlere Rassen haben einen geringen Erhaltungsbedarf und erfordern eine reduzierte Nährstoffversorgung.
Deshalb unterscheiden sich Futter und Fütterungskonzept hinsichtlich der Nährstoffversorgung wesentlich.
Gute Mastkaninchenfutter sind nicht automatisch für die Hobbykaninchenzucht geeignet.
Vitamine und Spurenelemente sind für alle Kaninchen von hoher Bedeutung, da die Stallhaltung ein selektives Fressen verhindert.
Hier ist die Information über Futter in den Sortenprogrammen und den Sackanhängern sehr wichtig.
Futteraufnahmeverhalten: Entsprechend dem anatomischen Bau und der Funktion der Verdauungsorgane brauchen Kaninchen ein rohfaserreiches Futter mit einer mittleren bis niedrigen Energie- und Nährstoffkonzentration, das in kleinen Portionen in vielen Mahlzeiten aufgenommen wird.
Sie haben das Bedürfnis, aus einer Vielzahl von Pflanzen und Pflanzenteilen bestimmte Komponenten aufzunehmen.
Dies kann jeder Züchter bei der Verabreichung von Grünfutter oder Heu aus einem Gemisch von Gräsern und Kräutern beobachten.
Sie ziehen einzelne Halme und Blätter heraus, zuerst wohl die bevorzugten, erst danach die weniger beliebten.
Futterpflanzen in Monokultur sind für Kaninchen nicht geeignet, sie sollten zumindest im Gemisch mit anderen Futtermitteln oder im Wechsel mit diesen verabreicht werden.
Daraus resultiert, daß bei der Rationsgestaltung nicht nur die Bedarfsdeckung berücksichtigt werden sollte, sondern ebenfalls das Bedürfnis nach artgemäßer Futterzusammensetzung.
Man kann Alleinfutter zusammenstellen, das den Bedarf für einen optimalen Fleischansatz von Mastkaninchen und somit ökonomische Parameter voll erfüllt, aber einer artgemäßen Futteraufnahme in keiner Weise entspricht.
Auch die Struktur des Futters ist entscheidend, denn die Rohfaser in Trockengrünmehl ist nicht mit Heu zu vergleichen.
Zudem trägt die Verabreichung von Heu und Stroh, aber auch von unzerkleinertem Grünfutter zur Beschäftigung der Tiere bei.
Vor Jahren wurde propagiert, alle Futtermittel,z.B. unterschiedliches Grünfutter, Rüben und Kartoffeln, maschinell zu zerkleinern und dann als Gemisch zu verfüttern.
Das bedeutete die völlige Negierung einer artgemäßen Futteraufnahme!
Auch die Verabreichung von Pellets als Alleinfutter ist deshalb abzulehnen.
Es ist in jedem Fall zusätzlich Heu und Stroh zur freien Aufnahme anzubieten.
Als technische Voraussetzung für die Verabreichung unterschiedlicher Futtermittel sind zwei Raufen pro Buchte und geeignete Näpfe erforderlich.
Wenn man sich die artgemäße Futteraufnahme, etwa 90 kleine Portionen, vor Augen führt, dann muß man zu der Überzeugung kommen, daß die zwei- oder gar einmalige Fütterung in keiner Weise artgerecht ist.
Anzustreben wäre über den Tag verteilt eine mindestens dreimalige Fütterung.
Da die Mehrzahl der Züchter dies nicht ermöglichen können, muß für einen Ausgleich durch eine vielfältige Zusammensetzung der Rationen und ständiges Vorhandensein von Heu und Stroh gesorgt werden.
Dann werden die Tiere die einzelnen Futterkomponenten in Abhängigkeit von ihrem Beliebtheitsgrad zu unterschiedlichen Zeiten aufnehmen.
Äste und Zweige von Obstbäumen, Kiefern oder Fichten regen zum Abnagen der Rinde an, womit neben der Aufnahme von Futter wieder auch eine Beschäftigung erreicht wird.
Wird die gesamte Futterration innerhalb einer Stunde aufgenommen, so ist dies als Zeichen dafür zu werten, daß die Ration nicht artgemäß zusammengesetzt war.
In den meisten Fällen liegen ein zu hoher Energie- und Nährstoffgehalt und ein Mangel an Rohfaser vor.

Baumschnitt und Laubholzzweige

Das Füttern von Laubholzzweigen dient in erster Linie dazu, den Tieren Abwechslung zu schaffen.
Dennoch besitzen Zweige und Blattwerk auch einen beachtlichen Futterwert.
Ich habe das Grün der bei mir anfallenden Weidenzweige immer als Beigabe betrachtet, besonders als Vorbeugung gegen Durchfall und Verstopfung.
Es gibt in der Fachliteratur keinen Hinweis darauf, ob sich eine zu reichliche Fütterung von Zweigen und Blättern schädlich auswirken.
Man sollte jedoch beachten, daß Zweige und Blätter der Laubbäume Stoffe enthalten können, die in Mengen genossen eine schädigende Wirkung haben können.
So ist bekannt, daß Eichen- und Weidenlaub stopfend wirkt und deshalb nur als eine Art Arznei gereicht werden sollte.
Das Laub der Weiden und Erlen soll den Milchfluß sägender Häsinnen stoppen.
Das Verfüttern von Kernobstzweigen wird empfohlen, jedoch Zweige von Steinobst sollen wegen des hohen Gehaltes von Blausäure nicht gefüttert werden.
So ist also das junge Geäst vieler Hecken und Bäume ein schlummerndes Beifutter, dessen Futterwert oft unbeachtet bleibt.
Erfahrene Züchter schneiden die jungen, laubtragenden Zweigspitzen Ende Mai und verfüttern die etwa 1/2 cm dicken Triebe.
Natürlich darf man nur eigene Bäume beschneiden oder solche, für die die Erlaubnis der Eigentümer eingeholt wurde.
Ernten sollte man am besten in den Abendstunden, weil dann der Nährstoffgehalt am größten ist.

Stroh, Zweige und Bretter sind den Kaninchen gesund und lieb

Haben Sie schon einmal unsere Kaninchen über längere Zeit in den Buchten beobachtet? Dabei merkt man bald, dass die Tiere oft etwas ganz Bestimmtes zu suchen scheinen. Sie sind unruhig und schnüffeln hier und da herum. Dann versuchen sie ,ans Holz zu kommen und zu beißen. Das gelingt ihnen aber nur schlecht. Denn die Buchtenwände sind glatt und infolge ihrer Bauweise nur schlecht vom Tier mit dem Maul zu fassen.
Manchmal kann man aber sehen, wie manche Buchten völlig angenagt sind. Oft machen sich die Tiere an den Buchtentüren zu schaffen. Dies alles zeigt uns, dass die Kaninchen nagen wollen. Nun ist dieser Nagetrieb nicht etwas, was wir den Kaninchen abgewöhnen können. Wenn dann manche Züchter die Buchten innen mit Blechen beschlagen, so schützen sie damit zwar die wertvollen Stallbauten, die auf Dauer natürlich Schaden annehmen. Aber der Nagetrieb der Kaninchen ist angeboren. Die Kaninchen sind zwar im zoologischen Sinne keine richtigen Nagetiere, haben aber ein Gebiss mit nachwachsenden Zähnen.
Die beiden vorne stehenden, oberen Schneidezähne sind gebogen. Die nach vorn weisende Fläche ist mit einem sehr harten Schmelz besetzt, während die hintere Zahnseite "weicher" ist.Diese Zähne sind also für ihre Tätigkeit bestens ausgebildet. Wenn nun das Kaninchen nagt, so nutzt es die hintere Schneidezahnseite eher ab. Die vordere Kante hingegen bleibt etwas stehen, sodass die "Kaufläche" schräg nach vorne hin sehr scharf ist: Das ist der Grund, warum die Kaninchen so gut die Zweige und Äste von ihrer Rinde befreien können! Dabei nehmen sie eine Menge an wichtigen Stoffen auf. Das ist besonders im Winter von Vorteil.
Alles Zweigwerk schneiden wir ungefähr handlang und legen es in die Buchten. Die Zweige dürfen nicht mit Chemikalien behandelt sein, weil das Kaninchen dann krank werden würde. Im Sommer können wir Weichhölzer reichen. Allerdings sollte man Äste von Weiden nur wenig geben, weil diese Säuren enthalten, die für die Kaninchen in großen Mengen schlecht bekömmlich sind.
Früher war es üblich, den Tieren ein Nagebrett in die Buchten zu legen. Dies ist eine gute Methode, um den Kaninchen ausreichend Möglichkeiten zum Nagen und damit zur Abnutzung der weiterwachsenden Nagezähne zu geben. Das Nagebrett ist ein stärkeres Stück Weichholz, also ein dickes Brett, das nur kurz zu sein braucht. Man legt es in die Bucht. Das Kaninchen wird dann früher oder später sein Gebiss versuchen und schließlich das Brett nach und nach ganz zernagen. Dann ersetzt man solch ein Nagebrett. Auf diese Weise hat das Tier die Gelegenheit, sein Gebiss abzunutzen und gleichzeitig etwas Beschäftigung.
Wenn wir die Kaninchen also annähernd artgerecht halten wollen, ist stets die Möglichkeit zum Nagen zu geben . Haben die Tiere keine solche Gelegenheit, so werden sie unruhig; ihr Nagetrieb treibt sie umher. Sie suchen etwas zum Benagen und können es nicht finden. Es stellt sich eine innere Unruhe ein. Es ist leicht, hier eine Abhilfe zu schaffen, indem wir für Nagemöglichkeiten sorgen.

Comfrey

Heute wissen wir, daß Comfrey sehr viel Eiweiß enthält-ohne etwa genverändert zu sein!
Daher könnte man mit Beinwell (Comfrey) natürlich auch die Ernährungsnot lösen.
Denn das Gewächs gedeiht in Arten und Bastardierungen überall, sowohl im heißen wie im kühlen Wüstenklima, in tropischen Gebieten wie in kalten Erdgegenden.
Die Pflanze enthält das Vitamin B12, weiterhin solche wertvolle Stoffe wie Allantonin, Cholin, Purin, Consolidin, ätherischeÖle, Harze, Schleime und Gerbstoffe.
Mangan, Kalzium, Phosphor oder Tryptophan sind andere Inhaltsstoffe.
In Wirklichkeit ist da die Anzahl der unterschiedlichen Wirkstoffe erheblich höher.
So kann man die Milchleistung von Kühen, die Eiqualität oder die Haar- und Fellqualität beim füttern von Comfrey steigern.
Bei Kokzidienbefall, insbesondere zur Kokzidienvorbeuge, ist Comfreyfütterung ein altes Mittel.
Beinwell (Comfrey) bekommt man im Fachhandel in kleinen Wurzelstückchen.
Die Dauerpflanze ist anspruchslos.
Die Wurzelstücke werden etwa 5cm tief in den Boden gelegt.
Der Pflanzenabstand beträgt etwa 1 Meter, da die Blätter armlang werden.
Da die Blätter mit feinen Härchen besetzt sind, läßt man sie etwas anwelken, bevor man sie den Kaninchen als Futter reicht, dann nämlich stechen sie nicht mehr.
Sind die Tiere das Futter erst gewöhnt, verzehren sie es gern.
Der Züchter aber kann mit einigen Beinwellpflanzen die Grünfutterproduktion erheblich erhöhen.


Kraft für Kaninchen 

Zuchtleistung und Entwicklung von Kaninchen werden entscheident von deren Fütterung bestimmt. Diese muss zu jeder Jahreszeit und in jeder Wachstumsphase bedarfsgerecht und vollwertig gestaltet werden,verdient jedoch im Winter besondere Beachtung. In der kalten Jahreszeit bilden Saftfutter und Heu die Grundlage der Kaninchenernährung. Von den Saftfutterarten sind vor allem Futterrüben, Futtermmöhren, gekochte Kartoffeln, gutes Gärfutter und Gemüseabfälle zu erwähnen. Saftfutter muss jedoch von einwandfreier Qualität sein, zumal verschmutztes oder verdorbenes Futter gefährliche Verdauungsstörungen (Blähungen Durchfall) verursacht. Besonders gefährlich ist gefrorenes Saft und Weichfutter.Es ist daher ratsam, wasserreiche Futtermittel bei strenger Kälte nur in rationierter Menge zu reichen und verbliebene Reste sofort aus den Boxen zu entfernen. In frostgefärdeten Ställen sollte abens keine Wurzelfrüchte gefüttert werden.

 

Je nach Rasse (Gewicht) und Fütterungsmethode benötigt man 400- 700g Grundfutter pro Tier und Tag. Bei jeder Mahlzeit sollten auch Wiesen-, Klee oder Luzerneheu Bestandteil der Ration sein. Rauhfutter, in erhöhter Raufe angeboten, reguliert die Verdauung und gleicht fütterungsmangel aus. Bei stärkerer Beanspruchung der Zuchttiere -etwa während der Trächtigkeit oder Säugeperiode - muss das relativ gehaltarme Grundfutter mit energiereichem Kraftfutter sowie vitaminarmem Mineralfutter ergänzt und aufgewertet werden. Länger andauernder Mineralstoff- und Vitaminmangel verursacht typische Mangelschäden, vor allem Stoffwechsel- und Fruchtbarkeitsstörungen (Totgeburten, Lebensschwäche). Ein Mangel an Mineralstoffen und Spurenelementen tritt bei Kaninchen allerdings selten und bei Verfütterung von minderwertigem Grundfutter auf. Bei hoher Leistungsbeanspruchung hingegen besteh die Gefahr einer Unterversorgung mit Vitaminen, vor allem in der zweiten Winterhälfte. Für Kaninchen sind die fettlöslichen Vitamine A,D und sowie die Wasserlöslichen Vitamine der B-Gruppe von Bedeutung. In diesem Zusammenhang sei auf die Eigenart von Kaninchen hingewiesen, bei de Verdauung im Blinddarm bestimmte B-Vitamine zu synthetisieren, die dann durch den Verzehr der Kotpellets vom Organismus wiederverwertet werden.

 

Kaninchenhalter , die Kraftfutter für ihre Tiere aus Getreide und Eiweisfutter (Hülsenfrüchte, Sojaschrot) selbst mischen, sollten mit vitaminiertem Mineralfutter ergänzen und aufwerten. Beim Kauf von Minerat- und Vitaminpräparaten ist es empfehlenswert, auf eine gute Bezugsquelle und auf die wertbestimmenden Inhaltsstoffe zu achten. Die Zumischung erfolgt dann nach Anleitung des Herstellers. Einfacher sind zweifellos der Kauf und die Zufütterung von Kaninchen- Fertigfutter einer bekannten Futtermittelfirma. Solches Spezialfutter für Zuchtkaninchen ist mit allen notwendigen Mineralien und Wirkstoffen ausgestattet und auf die Bedürfnisse der Tiere abgestimmt. Fertigfutter wird zumeist in Form von Zuchtpellets und mit einer Fütterungsempfehlung angeboten. Das erleichtert die Zuteilung in den einzelnen Leistungsabschnitten der Tiere. Der erforderliche Kraftfutterbedarf richtet sich einerseits nach der Qualität des Wirtschaftsfutters, andererseits nach Rasse (Gewicht) und Leistungsbeanspruchung. So benötigen junge Zuchtkaninchen täglich 50g, niedertragende Häsinnen mittelschwehrer Rasse etwa 70g und Hochtragende Häsinnen 100- 120g Kraftfutter, dasauch wärend der Säugeperiode gereicht wird. Für Zuchtrammler sind - je nach Beanspruchung und Gewicht - täglich 50- 70g Kraftfutter erforderlich. Grunsätzlich werden das Auge des Züchters und seine Erfahrung die Kraftfutterzuteilung festlegen. Auch der Wasserbedarf der Kaninchen muss im Winter stets befriedigt werden, besonders bei überwigener Trockenfütterung.

Raps in der Kaninchenfütterung

Raps sollte an Kaninchen mit Leistungsbedarf (Wachstum, Trächtigkeit, Säugen) nur bis zum Beginn des Schosses verfüttert werden. Zur Gruppe der Blattfresser (Folivoren) gehörend, kann das Kaninchen die Nährstoffe in den besser verdaulichen Blättern am besten nutzen. Mit zunehmendem Stängelanteil nimmt nicht nur der Anteil an Zellulose, sondern auch der des Lignins zu. Für das Kaninchen sind beide unverdaulich. Darüber hinaus wird mit diesem zunehmendem Anteil auch die Verdaulichkeit der anderen Nährstoffe beeinträchtigt und somit der Futterwert allgemein geringer. Der durch die Bakterien im Blinddarm erfolgende Aufschluß von Zellulose kann diesen nur in geringem Maße wettmachen. Falls der Raps schneller gewachsen ist, als er verfüttert werden konnte, und deshalb im Schosserstadium verfüttert werden muß, sollte er nur zum "Herausfressen" der Blätter vorgelegt werden. Die zunächst nicht gefressenen Stängel sind zu entfernen. Wegen seines vor dem Schossen hohen Wassergehaltes sollte Raps bei beliebiger Aufnahme nur in Verbindung mit Heu oder pelletiertem Ergänzungsfutter verabreicht werden. Die früher bei Raps und andere zur gleichen Familie gehörenden Kohlarten bestehende Vergiftungsgefahr mit Goitren und Glukosinaten ist bei dem nunmehr fast ausschließlich im Handel befindlichen so genannten oo-Raps nicht mehr gegeben. Probleme können sich bei starker Stickstoffdüngung und ausschließlicher Verabreichung durch Nitratvergiftung ergeben. Der Fettgehalt der grünen Rapspflanze ist mit ca. 3,7% kaum höher als bei anderen Grünfutterpflanzen. Die Bedeutung von Raps für die Erzeugung von Speiseöl und Treibstoff basiert allein auf dem etwa 45% betragenden Fettgehalt der Samenkörner.

Saftfutter im Winter

Die Futtermittelindustrie beschert uns zwar praktisches Fertigfutter, doch auch im Winter sind uns unsere Kaninchen dankbar für etwas Abwechslung in der Fütterung.
In erster Linie kommen dafür eingelagerte Wurzelfrüchte in frage.
Auch vom eingelagerten Obst und Gemüse fällt vieles ab, was man den Tieren reichen kann.
Genauso natürlich beim Gemüseputzen in der Küche.
Sucht man gezielt, so wird man auch im Winter auf Feldern und Äckern noch so manches finden, was den Kaninchen schmecken könnte.
Da gibt es Feldsalat und andere winterharte Kräuter, die man gut sammeln und verfüttern kann.
Ebenso stehen die vielen langen Ranken der wilden Brombeeren zur Verfügung oder auch Himbeerruten.
In milden Zeiten sind die Brombeeren gar noch mit Blättern versehen.
Man kann aber auch Weichholzzweige schneiden.
Wenn ganze Hecken gelichtet werden müssen, fällt ebenfalls viel Holz an, genau so wie beim Winterschnitt im Obstgarten.
Die Knospen und Rinden haben wertvolle Stoffe eingelagert, die den Kaninchen gerade zu dieser Zeit guttun.
Überdies werden die Nagezähne abgenutzt.
Auch im Garten gibt es oft noch etwas zu holen.
Da sind Gemüse stehengeblieben und noch nicht erfroren.
Ja es kann sein,daß manche Strunken im Frühjahr oder milden Winter noch austreiben und ein wertvolles Zusatzfutter bieten.
Überdies finden wir im Küchengarten oft noch aromatische Kräuter, von denen manche noch ganz gut milde Fröste überstehen.
Die Tiere gieren regelrecht nach einem solchen Leckerbissen und fressen es übereifrig.
Selbstverständlich darf man niemals gefrorenes Futter darbieten.
Man muß es zuvor in einem kühlen, frostfreien Raum auftauen.
Dies gilt auch für die Obst- und Weichholzzweige.
Gefrorenes Futter kann leicht zu Verdauungsstörungen bei den Tieren führen.
Leckerbissen sind übrigens auch die Ranken von Wildrosen oder Erdbeerblättchen.
Natürlich findet man bei lauem Wetter auch Löwenzahn.
Er treibt in lauen Nachwintern oft recht früh, so daß man seiner mitsamt der milchigen Wurzel habhaft werden kann.
Übrigens kann man Löwenzahn oder Chicoree im Keller auch selbst treiben.
Ebenso bilden manchmal auch Mohrrüben noch Blättchen aus, die gern von den Tieren angenommen werden.
Bei Kartoffeln muß man allerdings vor dem Verfüttern unbedingt die getriebenen Keime abbrechen, weil sie viel schädliche Stoffe (Solanin) enthalten.
In jedem Fall ist es möglich, auch im Winter und Nachwinter für spärliches Saftfutter zu sorge, um so den Appetit unserer Kaninchen durch Abwechslung aufrechtzuerhalten.
Nur Alleinfutter zu reichen, erscheint mir denn doch ein wenig zu einseitig.
Fürs nächste Jahr sollte man sich den gezielten Anbau mit Wintersorten vornehmen, wenn die Gelegenheit dafür vorhanden ist.
Dann hat man auch im Winter, Spätwinter und Vorfrühling immer ein wenig Saftfutter für seine Lieblinge zur Verfügung.

Sonnenblumen

Sonnenblumen gehören wohl zu den bekanntesten Ölfrüchten und sind ein willkommenes Kaninchenfutter in der Gesamtheit der Pflanze. Im Garten, den bestimmt viele Kleintierzüchter besitzen, wird die Sonnenblume meistens nicht auf größeren Flächen ausgesät, sondern dient bei uns z.B. als Grundstücksbegrenzung. Die Aussaat geschieht in der Regel entlang von Kulturen, die einen Windschutz benötigen, aber auch als Sichtschutz für den Kompost- und Misthaufen u.ä. Die erste Saat erfolgt im April in dichten Reihenfolgen auf die erwähnten Flächen. Sobald die Pflanzen sich bis auf eine Höhe von ca.1Meter entwickelt haben, werden sie vereinzelt. Diese abgeschnittenen Pflanzen erhalten die Kaninchen, die von diesen dann einschließlich der Stängel restlos gefressen werden. Kurz vor der Blüte werden die untersten Blätter für Futterzwecke entfernt. Sobald die Blütenkörbe auf der Rückseite gelb werden, erfolgt die Ernte. Wir schneiden die Blütenkörbe ab, bringen sie zum Trocknen, aber nur kurze Zeit, um dann manuell die Kerne zu gewinnen. Diese werden dann solange gewendet bis sie trocken sind. Der Fruchtboden wird den Kaninchen gereicht und gern von ihnen gefressen. Die verbleibenden Blätter und Stängel kommen ebenfalls in den Kaninchenstall. Wegen der Verholzung wird der Stängel in der Regel nur noch abgenagt. Am besten ist es daher, den Stängel zu spalten, damit die Tiere auch an das Innere herankommen. Die Verfütterung der Kerne erfolgt im Laufe des Winters, oftmals auch gemischt mit anderen Körnern. Das Fell des Kaninchens gewinnt an Glanz, so dass insbesondere vor der Ausstellung hin und wieder einige der kostbaren Kerne zugefüttert werden sollten.

 

Topinambur

Topinambur ist eine Futterpflanze, die ursprünglich aus Amerika stammt.
Sie ähnelt im Wuchs unserer Sonnenblume.
Im Gegensatz zur Sonnenblume handelt es sich jedoch um ein überwinterndes Knollengewächs, bei dem sich mehrere Stängel aus der Pflanzenknolle entwickeln.
So bildet jede Knolle kleine Büschel.
Da an den Blattwinkeln der Stängel im Verlaufe des weiteren Wachstums Austriebe entstehen, fällt reichlich Grünfutter an.
Wer allerdings auch die Knollen verwerten möchte, ist gut beraten, wenn er, wie beim Anbau von Kartoffeln, größere Pflanzabstände von 5Ox6O cm wählt.
Die Pflanze stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden.
Die Vermehrung geschieht durch Auspflanzen der Knollen.
Die über Winter im Boden bleibende Knolle erfrieren auch bei strengster Kälte nicht. Hauptpflanzzeit ist der April.
Als Pflanzentiefe wähle ich in der Regel 7 - 1Ocm für den ausschließlichen Grünfutteranbau können die Pflanzen durchaus enger stehen, dann werden die Stängel nicht so dick und können weniger verholzen.
Unmittelbar nach dem Aufgehen der Pflanzentriebe sollte man das Beet vorsichtig hacken, die überzähligen Triebe herausziehen und verfüttern.
Kommt es einem überwiegend auf das Grünfutter an, kann die Ernte beginnen, sobald die Stauden ca. 8O cm hoch sind.
Kurz über dem Blattansatz wird das Grün abgeschnitten, so schiebt die Pflanze aus den Blattwinkel neue Triebe.
Da für die Knolle keine Erfrierungsgefahr besteht, erntet man diese erst nach der Überwinterung im Garten.
Man kann die Knolle natürlich auch im Spätherbst ernten.
Dann ist allerdings zu beachten, daß die Knollen nur etwa 3 - 4 Wochen gelagert werden können.
Topinambur ist keine Wunderpflanze, aber eine wertvoll Beigabe für die Kaninchenfütterung.
Das Grünfutter wird von den Tieren gern gefressen.
Die Grünmasse besitzt einen hohen Nährwert.
Sie enthält 67,7% Wasser und eine Trockensubstanz von 32,3%.
Der Der Eiweißanteil beträgt 3,4%.
Die Knollen haben einen Wasseranteil von 79,6 und eine Trockenmasse von 2O,4%.
Der Rohfaseranteil ist mit O,7% sehr gering, aber auch hier einen Eiweßanteil von 1,5%.

Ernährung säugender Häsinnen

Mängel in der Versorgung mit Nähr- und Aufbaustoffen während der ersten Tage und Wochen sind von besonderer Bedeutung.
Der erste Lebensabschnitt, die ersten drei Wochen, sind und bleiben von ausschlaggebender Bedeutung.
Zuchthäsinnen sollten auf Grund guter Anlagen ausgewählt werden.
Die Zuchtbuchführung ist unerläßlich.
Häsinnen die mehrfach ihre Würfe leicht und verlustlos aufgezogen haben, sind unbedingt über Jahre in der Zucht zu belassen.
Auch hier sollte der Züchter nicht nur die Jungtiere, sondern auch regelmäßig seine Häsinnen wiegen.
Grünfutterpflanzen sind als milchbildende Gewächse bekannt.
Leguminosen enthalten sowohl in den Blättern als in den Stängeln alle wichtigen Bestandteile, die bei der Milchproduktion benötigt werden.
Der Eiweißgehalt verschiedener Grünpflanzen, darunter Luzerne, Bärenklau, Schafgarbe, Spitzwegerich, Löwenzahn und Möhren sind besonders wertvoll, da sie außerdem hoch verdaulich sind.
Es darf auf keinen Fall zu einer einseitigen Fütterung kommen.
Günstig wirkt sich auf die Milchbildung aus, wenn der Züchter in der Lage ist, in kurzen Zeiträumen kleine Portionen zu reichen.
Der Züchter sollte sich über die Bodenbeschaffenheit informieren, von der er Futtermittel erntet.
Kalkmangel in der Nahrung bedeutet Kalkmangel im Körper unserer Zuchttiere.
Oft wird die Frage gestellt, ob den Kaninchen Ziegen- oder Kuhmilch gereicht werden soll.
Über den hohen Nährwert von Milch gibt es keinen Zweifel.
Es handelt sich um ein hoch konzentriertes Nahrungsmittel.
Es gibt Züchter, die nach dem Absetzen der Jungtiere verdünnte Kuhmilch anbieten.
Natürlich wird durch Milchgaben bei säugenden Häsinnen genau so Milch produziert wie bei wasserhaltigen Futtermitteln, insbesondere Grünfutter, Möhren und Rüben.
Es ist nicht die Milch, die bei der Milchproduktion der Häsin zugute kommt, sondern der Nährstoffgehalt in der Milch.

Futterumstellung

Auf frisches Grün mußten unsere Tiere lange verzichten und so kommt es, daß sie das zarte, aromatische junge Grünfutter mit seinen Geschmacks- und Reizstoffen als Leckerbissen gierig annehmen.
Leider birgt dies eine Gefahr, denn es ist nicht nur der Nährstoffgehalt in den jungen Pflanzen sehr hoch, sondern vor allem auch der Gehalt an leicht verdaulichem Eiweiß, was zu schweren Verdauungsstörungen führen kann.
Erst wenn die Pflanzen älter werden, verholzen sie mehr und mehr.
Daher müssen wir die Anfangsportionen sehr vorsichtig reichen, damit der Verdauungsapparat des Tieres sich daran gewöhnen kann.
Täglich lassen sich die Mengen steigern.
Dabei darf aber niemals Heu in bester Qualität fehlen.
Säugende Häsinnen und Jungtiere können auf das erste Grünfutter noch viel empfindlicher reagieren.
Frisches Grünfutter erhitzt sich leicht.
Nicht verfütterte Mengen lagert man am besten ausgebreitet auf Rosten kühl und schattig.
Auch tropfnasses Grünfutter sollte zunächst auf einen Rost, denn man trägt sonst überflüssige Nässe in die Buchten.
Zu warnen ist vor Grünfutter, das stark mit Mehltau besetzt ist oder da geerntet wird wo Wildtiere grasen (Krankheitsübertragungen).
Angewelktes, schlaffes Grünfutter kommt besser gleich auf den Kompost.
Ein gutes Heu hilft bei der Verdauung.
Es ist in der Futterumstellungen besonders wichtig.

Zuckerrüben

Die Zuckerrübe gehört zur Familie der Gänsefußgewächse.
Am besten gedeiht sie auf tiefgründigen und humosen Lehm-, Ton- und Mergelböden mit guter Drainage in ebener Feldlage.
Zuckerrüben gelten als überaus frostempfindlich, daher ist eine Aberntung der Felder vor dem Einsetzen der ersten Winterfröste dringend anzuraten.
Der Wert der Rüben ist in ihrem Stärkeanteil begründet, und ist ein hochwillkommenes Zusatzfutter.
Dieser beträgt bei unserer Zuckerrübe hohe 85%.
Von allen Rüben besitzt sie die meisten Kohlehydrate, nämlich etwa 25g auf 100g frische Rüben gerechnet -rd.20g davon entfallen auf Zucker.
Von den Vitaminen ist nur das Vitamin C mit 13 mg zu erwähnen, von den Mineralien Kalium mit durchschnittlich 325 mg.
In Zuckerfabriken, vor allem aber auch im Futterhandel sind Zuckerrübenschnitzel erhältlich, die von unseren Kaninchen ganz besonders gern gefressen werden.
Bei der Zuckerherstellung werden die Rüben geschnitzelt und dann ausgelaugt.
Aus dem Abfallprodukt, den Schnitzeln, werden Pellets hergestellt, die etwa 2 cm lang sind und einen Durchmesser von 1cm haben.
Sie sind praktisch ohne Eiweiß, haben aber einen sehr hohen Energiegehalt.
In der Kaninchenfütterung sollte man diese Pellets erst einweichen und quellen lassen und sie dann mit anderem Weichfutter unter Zugabe von eiweißreichem Sojaschrot verfü:ttern.
Gibt man die Pellets trocken, so quellen sie im Magen auf und führen zu Verdauungsstörungen.
Dr.F.-K. Dorn (Rassekaninchenzucht) vertritt hingegen eine andere Auffassung, mit welcher viele Züchter keinerlei Negativerfahrung gemacht haben.
Er schreibt: >>... Das Kaninchen schlingt nicht wie viele andere Tiere - sein Futter hinunter, sondern kaut Schnitzel nach Schnitzel.
Dadurch werden die Rüben nicht nur gut zerkleinert, sondern auch gründlich eingespeichelt.
So wird ein übermäßiges nachträgliches Quellen der Substanz im Magen vermieden, was beim Pferd so gefährlich werden kann.

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