Verschiedenes

Übersicht:



Anatomie und Physiologie

Die langen Röhrenknochen der Gliedmaße und die weißfaserige Muskulatur ermöglichen schnelle Bewegungen, die jedoch nicht ausdauernd sind. Dies entspricht dem Verhalten der Wildkaninchen, die häufig schnell flüchten, wobei sie nur kurze Distanzen bis zu ihren Röhren zurücklegen. Besonderheiten des Verdauungsapparats zeigen sich an den Zähnen, am Magen und Darm. Die Schneidezähne werden im Normalfall durch das Nagen und durch ihre gegenüberstehenden Zähne abgenutzt. Infolge von Kieferanomalien (z.B.Verkürzung des Unterkiefers) ist die gegenseitige Abnutzung nicht möglich. Die Schneidezähne wachsen daher ungehindert, wobei sie häufig schneckenartig gebogen sind und in den Oberkiefer einwachsen können. Durch eine Kürzung der überlangen Schneidezähne kann den Tieren für einige Zeit eine normale Futteraufnahme ermöglicht werden. Da es sich bei der Unterkieferverkürzung um einen genetischen Defekt handelt, sind die Merkmalsträger von der Zucht auszuschließen. Der Magendes Kaninchens hat nur eine dünne Muskelschicht. Dadurch wird die Fortbewegung des Mageninhalts erschwert, sie erfolgt fast ausschließlich durch die nachfolgende Nahrung. Deshalb ist die häufige Futteraufnahme der Kaninchen (ca.90mal in 24 Std.) für den normalen Ablauf der Verdauungsvorgänge so wichtig. Jeder Züchter weiß, das der Dickdarm, insbesondere der Blinddarm, beim Kaninchen besonders groß ist. Dadurch wird der Aufschluß der Zellulose durch Bakterien ermöglicht. Jede Störung der Zahl und Art der Darmbakterien führt zu schweren Verdauungsstörungen. Deshalb muß das Futter ausreichend rohfaserreiche Bestandteile erhalten, die für den Erhalt der Darmflora erforderlich sind. Das Kaninchen nimmt im Blinddarm aufgeschlossene Nährstoffe (Proteine) durch die arteigene Gewohnheit des Kotfressens auf und resorbiert sie im Dünndarm. Die normale Körpertemperatur liegt beim Kaninchen zwischen 38,5 und 39,5°C. Jungtiere haben höhere Werte als Alttiere. Für jede Tierart gibt es eine thermoneutrale Zone, d.h. einen Temperaturbereich, in dem weder ein erhöhter Energiebedarf noch eine erhöhte Energieabgabe zur Sicherung des Erhalts der normalen Körpertemperatur vorliegt. Bei Alttieren liegt dieser Temperaturbereich zwischen 15 und 29°C, bei Jungtieren jedoch in einem engen Bereich von 26 bis 27°C. Wegen der geringeren Körpermasse und der großen Körperoberfläche sowie fehlender Behaarung sind neugeborene Kaninchen als Einzeltier gegen niedrige Umgebungstemperaturen wenig widerstandsfähig. Durch das Nest, die Abdeckung mit Wolle und die Zusammenlagerung der Jungtiere wird im Nest eine wesentlich höhere Temperatur als im übrigen Stallraum erreicht. Bei mangelhaftem, feuchtem Nestmaterial und kleinen Würfen kann es zu Totalverlusten in der kalten Jahreszeit kommen.
Die hohe Energie- und Nährstoffkonzentration der Kaninchenmilch trägt zu einer Verdoppelung des Wurfgewichts innerhalb von 6 Tagen bei. Deshalb spielt die ausreichende Muttermilchaufnahme besonders in den ersten Lebenstagen eine wichtige Rolle. Eine Besonderheit der Kaninchenhaut ist, das sie keine Schweißdrüsen hat. Dadurch ist bei hohen Umgebungstemperaturen eine Wärmeabgabe durch schwitzen nicht möglich. Lediglich durch Erhöhung der Atemfrequenz (Hechelatmung) ist eine Wärmeabgabe durch Verdunstungskälte über die Schleimhäute der Maulhöhle möglich. Dies ist mit einer hohen Wasserabgabe verbunden, die durch entsprechende Wassergabe auszugleichen ist. Adulte Kaninchen haben durch ihr Fell eine höhere Toleranz gegen Kälte als gegen Wärme,sie mobilisieren zusätzlich Fettreserven zur Energiegewinnung. Besonders empfindlich sind Kaninchen gegen hohe Umgebungstemperaturen bei hoher Luftfeuchte und direkter Sonneneinstrahlung. Die männlichen Geschlechtsorgane bestehen aus den Keimdrüsen (Hoden) und dem Penis. Die Hoden liegen in einem Hodensack, der nach außen von der Haut gebildet wird und in dem eine Ausstülpung des Bauchfells als innerer Hodensack liegt. Der Samenstrang (Blutgefäße, Samenleiter) tritt durch eine Öffnung in die Bauchhöhle und dann in den Penis. Diese Öffnung und damit die Verbindung zur Bauchhöhle bleibt bei den Säugetieren lebenslang erhalten. Beim Kaninchen ist die Öffnung so groß, das die Hoden in die Bauchhöhle eingezogen werden können. Dies führt bisweilen zu Irritationen bei den Züchtern, hat jedoch auch zu Tierverlusten nach Kastrationen geführt, wenn durch die weite Öffnung Darmschlingen austreten. Deshalb ist die Kastration in jedem Fall mit gedeckter Scheidenhaut und Verschluß des Bauchfells vorzunehmen. Die Gebärmutter des Kaninchens besteht aus zwei vollständig getrennten Teilen (Uterus duplex). sowohl der Muttermund als auch die Gebärmutter sind doppelt angelegt. Dadurch kann es in Ausnahmefällen dazu kommen, das Jungtiere aus zwei Deckakten im Abstand von wenigen Tagen geboren werden. Kaninchen gehören zu den polyöstrischen Tieren, d.h., sie haben mehrere Fortpflanzungszyklen im Jahr. Dies ist eine Eigenschaft, die in der Wildkaninchenpopulation die Voraussetzung zur Erhaltung der Art ist, da die Jungtier- Aufzuchtverluste (Unterkühlung, Beutegreifer, Infektionen) enorm hoch sind, sie liegen über 90%! Die Häsinnen werden schon am Wurftag oder am Tag darauf gedeckt und bringen im Zeitraum April bis September bis zu 6 Würfe im Jahr. Eine Weitere Besonderheit des weiblichen Kaninchen ist, das der Eisprung durch den Deckakt ausgelöst wird und nicht spontan wie bei anderen Tierarten erfolgt.

Bewegungsverhalten

Um Futter zu suchen und aufzunehmen, ist Bewegung nötig, deren Ausmaß vom Futter aufkommen abhängt. Jede Bewegung ist mit Energieverbrauch verbunden, wird deshalb nur in dem Maße ausgeübt, wie sie erforderlich ist. Langsame Bewegungen verbrauchen weniger Energie als schnelle, die nur zur Flucht angewendet werden. Da für eine ausreichende Futteraufnahme ein regelmäßiges Pensum an Bewegung zu absolvieren ist und auch Fluchtreaktionen regelmäßig vorkommen, sind Wildkaninchen gewissermaßen im Training. Dem gegenüber fällt bei der Haltung der Hauskaninchen der Bewegungsanreiz zur Futtersuche fort, da sie das Futter praktisch vor die Nase gestellt bekommen. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die nachgewiesen haben, das die Bewegungsarmut zu Skelettveränderungen führen kann. Für das Wohlbefinden von Jungtieren, aber auch von Alttieren sind Bewegungsmöglichkeiten erforderlich. Kaninchen zeigen im Freilauf, aber auch in Gehegen oder Buchten, deren Maße über den üblichen Normen liegen, wesentlich mehr und auch andere Bewegungen als in ihren Buchten. Deshalb sollten im Interesse der Tiere die für die einzelnen Rassen existierenden Mindestmaße für die Buchten überschritten werden. Dies gilt auch für die Höhe die häufig als weniger wichtig angesehen wird. Es muß immer ein gestrecktes Aufrichten der Tiere möglich sein.
Der Einbau einer zweiten Ebene als Ruhebrett setzt eine bestimmte Höhe voraus, bietet den Tieren aber einen zusätzlichen Anreiz zur Bewegung und eine Rückzugsmöglichkeit. Auch ein zeitweiser Auslauf ist empfehlenswert. Die Tiere zeigen dem Züchter ihr Wohlbefinden durch Sprünge und Hakenschlagen. Ein Verhaltensmerkmal ist im Laufe der Domestikation nahezu verschwunden, die Schreckhaftigkeit und das ausgeprägte Fluchtverhalten. Es kommt nur in seltenen Fällen zu panikartigen Fluchtreaktionen, wie sie bei Wildkaninchen an der Tagesordnung sind. Der ruhige Umgang des Züchters mit seinen Tieren führt zu einem vertrauten Mensch-Tier-Verhältnis. Zum Bewegungsverhalten gehört auch das Scharren und Graben. Um den Tieren wenigstens ein Minimum an Möglichkeiten zu bieten, ist Einstreu erforderlich, die zur Beschäftigung beiträgt und auch als Futter dient. Häsinnen durchwühlen die Streu, wenn sie brünstig sind und auch in der Trächtigkeit. Wird ihnen dies nicht ermöglicht, können sie ein wesentliches Bedürfnis nicht erfüllen, was ihr Wohlbefinden erheblich stört. Das Tierschutzgesetz fordert jedoch, das Leben und Wohlbefinden des Tieres zu schützen.

Ethologie

Jede Tierart hat eine Vielzahl von Verhaltensmerkmalen, die dazu dienen, in einer artgemäßen Umwelt eigenen Schaden zu vermeiden, den Selbsterhalt und das Überleben der Art zu sichern. Die Summe der Verhaltensmerkmale wird als Verhaltensinventar bezeichnet. Das Verhaltensinventar der Spezies Kaninchen kann man bei unseren "Stallhasen" nur bedingt studieren, sehr gut aber bei in großen Freilandgehegen gehaltenen Hauskaninchen oder aber bei Wildkaninchen. Ihr Lebensraum liegt im Flachland und ist gekennzeichnet durch einen trockenen Boden, eine Strukturierung des Geländes durch Bäume, Büsche und Steine sowie die Möglichkeit, das Gelände zu übersehen, Röhren zu graben und eine Vielfalt von Pflanzen selektiv aufzunehmen. Kaninchen sind ausgesprochene Fluchttiere, die blitzschnell in ihre Röhren verschwinden, wenn sie Gefahren erkannt haben bzw. durch Klopfen mit den Hinterläufen durch Artgenossen gewarnt wurden. Wildkaninchen leben in Gruppen, meist ein männliches Tier mit mehreren Häsinnen samt Jungtieren, mit einer festen Sozialstruktur. Die Rangordnung ist geschlechtsspezifisch festgelegt. Durch Duftmarken (Urin, Kot) werden die Territorien der einzelnen Gruppen markiert, Eindringlinge werden verjagt, besonders in der Paarungszeit. Die natürlichen Gegebenheiten wie Büsche und Steine, aber auch die Röhren bieten die Möglichkeit zum Rückzug für rangniedere Tiere. Die dominanten Tiere einer Gruppe erreichen höhere Reproduktionsleistungen und ein höheres Lebensalter, weil ihre Streßbelastung niedriger, ihr Immunsystem jedoch effektiver ist. Kaninchen haben im Wechsel Phasen der Aktivität, beginnend im Morgengrauen, und der Ruhe. Die Futtersuche und -aufnahme geschieht gemächlich, wobei Kahlfraß kaum vorkommt, vielmehr werden einzelne Pflanzen oder Teile abgefressen. So nehmen sie Pflanzen mit unterschiedlichem Nährstoff- und Rohfasergehalt auf. Ihren Nagetrieb befriedigen sie , indem sie Zweige, Stängel und Halme durchnagen und häufig liegenlassen. Jungtiere haben einen größeren Bewegungsdrang als ältere Tiere. In den Ruhephasen liegen Kaninchen lang ausgestreckt in Seitenlage, teilweise in Körperkontakt untereinander . Besonders Jungtiere suchen die Nähe der Mutter oder der Wurfgeschwister. Zum Komfortverhalten gehört das eigene Putzen, aber es werden auch andere Tiere beleckt. Häufig kann man feststellen, das die Tiere zum Ruhen sonnige Plätze aufsuchen. Die starke Sonneneistrahlung in der Mittagszeit meiden sie jedoch. Die Häsinnen graben Wurfröhren, die sie mit trockenen Halmen polstern. Wenn der Wurf gesetzt wurde, verlassen die Häsinnen die Röhre, nachdem sie das Nest mit einer Schicht ihrer Bauchwolle abgedeckt haben. Sie halten sich dann entfernt vom Nest auf, kehren häufig nur einmal in 24 Stunden zum Säugen zurück.

Fortpflanzungsverhalten

Die Berücksichtigung des artgemäßen Fortpflanzungsverhaltens kann dem Züchter viele Vorteile bringen. Es muß festgestellt werden, das eine Wurfhäufigkeit von 4-6 auch für Hauskaninchen artgemäß ist. Am sichersten ist eine erneute Trächtigkeit zu erreichen, wenn die Häsinnen in den Tagen nach der Geburt gedeckt werden. So wird in der gewerblichen Kaninchenhaltung verfahren, wobei durch ein entsprechendes Lichtregime die Fortpflanzungsperiode auf das gesamte Jahr ausgedehnt wird.
Damit ist das Absetzen der Jungtiere im Alter von 28 Tagen verbunden. Durch die Säugeleistung, die schnelle Wurffolge und die hohe Wurfzahl kann es zu einer schlechten Kondition des Muttertieres kommen. Deshalb ist eine derartig extreme Zuchtnutzung für die Rassekaninchenzucht abzulehnen. Es ist aber durchaus möglich, das Wurfintervall durch Bedecken der Häsin in der Säugezeit zu verkürzen, ohne das die Körperverfassung der Häsin leidet und die Wurfstärke sinkt. Auch eine Säugezeit von 6 Wochen kann eingehalten werden. Durch Decken in der Säugezeit wird also eine hohe Wurffolge erreicht. Auch das Verhalten der Häsin beim Werfen kann dem Züchter wertvolle Hinweise geben. Es ist leicht, die Dunkelheit der Wurfröhre nachzuahmen, indem die Bucht oder das Stallabteil durch vorhängen von Stoff verdunkelt wird. Besonders geeignet sind geschlossene Wurfkisten, die zudem der Wurfhöhle entsprechen. Das ausreichend Nestbaumaterial vorhanden ist, muß als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Die Häsin baut in der Regel ein Nest, das den Wurf zusammen hält. Dies hat jedoch den Nachteil, das Jungtiere selbstständig oder am Gesäuge hängend das Nest verlassen können, was bei einer Röhre nicht passieren kann, da die Jungtiere immer wieder nach unten gelangen. Es ist auch eine Tatsache, das Häsinnen beim ersten Wurf bisweilen im Nestbau ungeschickt oder nachlässig sind, wodurch es zu Jungtierverlusten kommen kann. Der Züchter muß in diesen Fällen nachhelfen.
Die Sicherung der hohen Umgebungstemperatur für die Jungtiere ist ein Schwerpunkt. Neben der Beschaffenheit des Nestes ist die Wurfstärke von besonderer Bedeutung. Ich habe häufig kleine Würfe der Hermelin in der kalten Jahreszeit aus dem Nest genommen und in einem Pappkarton in der Wohnung untergebracht. Sie wurden 1-2mal immer zur gleichen Tageszeit zum Säugen in das Nest gelegt. Das klappte meist sehr gut und die Häsin begann mit dem Säugen, sobald die Jungen im Nest lagen. Die zeitweilige Trennung der Häsin von den Jungen entspricht dem artgemäßen Verhalten und kann deshalb ohne Bedenken angewendet werden. Es zeigte sich bei der Mehrzahl der so gehaltenen Würfe, das die Häsinnen im Unterschied zu den Wildkaninchen zweimal täglich säugten. Auch dies ist als Folge der Domestikation anzusehen. Es muß darauf hingewiesen werden, das die Jungenaufzucht die beste Form der Beschäftigung ist, was ja beim Menschen auch so ist!

Gefahr für Häsinnen

Risiken während der Säugezeit beachten:
So manche Züchter klagen oftmals im Frühjahr über den Verlust einer oder mehrere Häsinnen. Wiederholt wird man um Rat und Auskunft gebeten, den Grund hierfür anzugeben. Wenn man auch schon viele Jahre Züchter ist und auf diesem Gebiet so manches erlebt hat ,so lässt sich dennoch schwer sagen, weshalb das Tier verendet ist. Vorallem dann, wenn man die betroffene Häsin nicht gesehen oder den Krankheitsverlauf nicht miterlebt hat. Häufig verenden die Häsinnen, wenn die säugenden Jungen zwei bis drei Wochen alt sind.Das ist die gefährlichste Zeit für die Tiere, denn in dieser Phase haben Milchleistung und die damit verbundene Belastung ihren Höhepunkt erreicht. Die Muttertiere werden also extrem gefordert. Vorwiegend wird Verstopfung als Grund für die Verendung angenommen, weil der Leib der Tiere aufgetrieben ist. Das mag in einigen Fällen wohl zutreffen, manchmal wird es sich wohl um eine Bläh- oder Trommelsucht handeln. Die beobachtete "Verstopfung" kann aber auch die Folge einer Darmlähmung durch Clostridien Toxine (giftige Stoffwechselprodukte des Bakteriums) sein. Das Muttertier stellt von einem auf den anderen Tag die Wasser- und Futteraufnahme ein. Der Milchfluß versiegt allmählich, das Tier magert blitzschnell ab und eine Behandlung kommt in den meisten Fällen zu spät. In diesem Fall haben wir es dann mit großer Wahrscheinlichkeit mit der gefürchteten Enterocollitis zu tun.

Sozialverhalten und Beschäftigung

Ein großes Problem ist, das das Sozialverhalten der Kaninchen durch die Haltung auf engem Raum stark eingeschränkt wird. Zur Herausbildung einer festen Sozialstruktur innerhalb einer Gruppe sind Fläche und Struktur erforderlich, damit rangniedere Tiere ausweichen können. Ist dies nicht möglich, kommt es zu schweren Verletzungen. Deshalb ist aus Gründen des Tierschutzgesetzes eine Einzelhaltung der Zuchttiere zu fordern. Jungtiere sollten bis zum Eintritt der Geschlechtsreife, also bis zum 5. Monat, geschlechtsgetrennt in Gruppen gehalten werden. Die genaue Beobachtung des Tierverhaltens sichert die rechtzeitige Trennung der Wurfgeschwister. Da jüngere Tiere einen hohen Bewegungsdrang haben, bietet die Gruppenhaltung mehr Fläche zur Bewegung, ermöglicht aber auch soziale Kontakte und gegenseitiges Komfortverhalten. Die in Experimenten entwickelten Formen der Gruppenhaltung von Zuchthäsinnen erfordern wesentlich mehr Raum und Ausstattung, haben deshalb keinen Eingang in die Praxis gefunden. Ein weiteres Problem liegt darin, das die gängigen Stallhaltungsverfahren unserer Nutztiere eintönig und reizarm sind, den Tieren kaum Möglichkeiten zur Beschäftigung bieten. Lediglich die Futterzeiten bieten Abwechslung. Deshalb muß die Fütterung neben der bedarfsgerechten Energie- und Nährstoffzufuhr immer das Ziel der Beschäftigung haben. Mangel an Abwechslung und an Beschäftigung führt dazu, das die Tiere sich Beschäftigungsmöglichkeiten als Ersatzhandlungen suchen wie das Benagen der Stallwände oder das Beißen in Metallteile. Es kommt häufig auch zur Ausbildung von Verhaltungsstörungen, die sich in stereotypen Bewegungsabläufen zeigen. Derartige Ersatzhandlungen und Verhaltensanomalien kommen auch bei Kaninchen vor und sind ernstzunehmende Zeichen, das Haltung oder Fütterung erhebliche Mängel aufweisen.

Zurück zuWissenswertes